Ein Gespräch mit Andreas Thiele, Polymerchemiker, technischer Leiter und Mitglied der Geschäftsleitung bei Lascaux Colours & Restauro AG.
RUJ*: Herr Thiele, bevor wir inhaltlich einsteigen – könnten Sie sich bitte kurz vorstellen?
AT**: Sehr gerne. Mein Name ist Andreas Thiele, ich bin Polymerchemiker und Materialwissenschaftler. Bei Lascaux Colours & Restauro AG bin ich technischer Leiter, leite das Labor und die Produktentwicklung und bin auch Mitglied der Geschäftsleitung. Gemeinsam in einem Team entwickeln wir neue Produkte, führen Beratungen durch und beantworten weltweite Anfragen von Restaurator:innen.
Von der Gründung bis heute
RUJ: Lascaux ist schon lange im Restaurierungsbereich aktiv. Können Sie uns einen kurzen Überblick geben?
AT: Lascaux wurde 1963 von Alois Diethelm gegründet. Bereits 1970 begann die Entwicklung von Produkten speziell für Restaurierung und Konservierung – also vor mehr als 50 Jahren.
Seit dieser Zeit haben wir ein Netzwerk zu Restaurator:innen aufgebaut, vor allem in Zürich und Umgebung, aber auch weltweit. Viele unserer Produkte sind in enger Zusammenarbeit mit Anwender:innen entstanden.
Entwicklung der BEVA-Produkte
RUJ: Ein wichtiges Thema sind die sogenannten BEVA-Produkte. Wie hat sich deren Entwicklung gestaltet?
AT: Seit den 1970er-Jahren produzieren wir BEVA-Produkte. Dabei haben wir je nach Verfügbarkeit der Rohstoffe die Rezeptur angepasst. Anfangs basierte der verwendete Tackifier auf Polyketonen, ab 2015 kam TEGO VariPlus TC zum Einsatz. Während andere danach zu Laropal A81 gewechselt haben, haben wir dann in 2024 mit dem neuen Lascaux 375 P wieder ein Polyketonharz eingeführt, das den bewährten Eigenschaften sehr nahe kommt.
Ziele der Neuentwicklung
RUJ: Was waren Ihre zentralen Ziele bei der Entwicklung der neuen Rezeptur?
AT: Uns war wichtig, die Grundmerkmale des bisherigen Klebers beizubehalten:
- keine Veränderung der chemischen Zusammensetzung der Komponenten, damit die Anwender:innen von den weltweit durchgeführten Studien profitieren können
- Reversibilität und Entfernbarkeit
- niedrige Aktivierungstemperatur
- vergleichbares Haftverhalten
- gleichbleibende Anwendbarkeit für Restaurator:innen
Und vor allem: Wir wollten toxische Lösungsmittel eliminieren.
Zusammensetzung des 375 P
RUJ: Wie sieht die Zusammensetzung des neuen Produkts konkret aus?
AT: Die Trockenkomponenten sind nahezu identisch mit ursprünglichen BEVA-Produkten:
- 45 % EVA-Copolymer (Elvax 150)
- 15 % EVA-Copolymer (A-C 400)
- 27 % Polyketonharz als Tackifier
- 9 % Paraffinwachs
- 4 % Weichmacher (Cellolyn 21-E)
Neu ist der Ersatz des Lösungsmittels Toluol. Das ist gesundheitlich bedenklich, besonders für Frauen im gebärfähigen Alter. Wir haben es durch Propylal ersetzt – ein sogenanntes „grünes“ Lösungsmittel (SOLVAGREEN®), das auch in der Kosmetikindustrie eingesetzt wird.
Die Zusammensetzung des HSK 375 P lautet:
- 40 % Trockenkomponenten
- 60 % Propylal und aliphatische Kohlenwasserstoffe
Testphase und Ergebnisse
RUJ: Wie haben Sie die neue Rezeptur getestet?
AT: Über zwölf Monate haben wir umfangreiche Labor- und Praxistests durchgeführt. Im Labor haben wir Klebkraft, Eindringtiefe, Reversibilität und Aktivierungstemperatur geprüft. Parallel dazu haben Restaurator:innen das Produkt an Objekten eingesetzt und die Parameter individuell angepasst.Das Ergebnis: Die Unterschiede zur alten Rezeptur sind minimal. Viel entscheidender sind die objektspezifischen Anpassungen, die ohnehin jede Restaurierung erfordert. Die Vorteile sind neben Reversibilität und niedriger Aktivierungstemperatur der Einsatz eines unbedenklichen Lösungsmittels.
Blick in die Zukunft
RUJ: Welche Weiterentwicklungen planen Sie derzeit?
AT: Wir arbeiten an mehreren Projekten:
- Heißsiegelfilme, die einfacher zu handhaben sind.
- Spray-Anwendungen, um den Kleber gleichmäßig aufzutragen.
Fazit
RUJ: Was bedeutet das alles für Restaurator:innen in der Praxis?
AT: Mit dem neuen Lascaux BEVA 375 P können sie auf ein Produkt zurückgreifen, das die bewährten Eigenschaften der alten Rezepturen beibehält, aber gleichzeitig gesundheitlich sicherer ist. In der neuen Formulierung ist es auch als Trockenmischung verfügbar.
Die enge Zusammenarbeit mit Restaurator:innen war entscheidend – und wird auch für künftige Entwicklungen wie Filme und Sprays ausschlaggebend bleiben.
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* RUJ = Ralph-Uwe Johann, CEO, Deffner & Johann Gmbh, Röthlein, Deutschland
** AT = Andreas Thiele, Polymerchemiker und Materialwissenschaftler, Lascaux Colours & Restauro AG, Brüttisellen, Schweiz



